Ursachen einer postpartalen Depression
27. November 2007Nach der Entbindung ihres Kindes fallen viele Frauen in einen depressiven Zustand.
Dabei ist es unwesentlich, ob zuvor ein Kinderwunsch bestand oder es sich dabei um eine ungewollte Schwangerschaft handelt.
Niedergeschlagenheit statt Mutterglück
50-80 % der frischgebackenen Mütter leiden unmittelbar nach der Geburt unter einem Stimmungstief, das sich in undefinierbarer Traurigkeit und Weinkrämpfen äußert.
Dieser so genannte Babyblues ist auf extreme Hormonschwankungen im Körper zurückzuführen. Kurz vor der Entbindung fallen die Östrogen- und Progesteronwerte stark ab. Das für die Milchproduktion wichtige Hormon Prolaktin hingegen wird zu diesem Zeitpunkt in sehr hohen Mengen produziert. In der Regel flaut das Gefühlschaos nach nur wenigen Tagen ab. Hält es jedoch länger als zwei Wochen an, kann bereits eine postpartale Depression entstanden sein.
Frauen, die von einer postpartalen Depression betroffen sind, fühlen sich den alltäglichen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Sie sind seelisch und körperlich überfordert, ständig müde und können dennoch nicht schlafen. Arbeiten, die vorher leicht von der Hand gingen, kosten nun undendlich viel Kraft. Dem neugeborenen Kind gegenüber hegen Mütter mit einer postpartalen Depression gemischte, negative oder gar mangelnde Gefühle. An einer postpartalen Depression leiden ca. 10 bis 20% aller Frauen nach einer Entbindung.
Die Erkrankung tritt innerhalb des ersten Jahres auf und wird anfangs noch auf das ungewohnte „Mutterdasein“ und den Schlafmangel geschoben. Dabei erfolgt der Übergang von einem Babyblues zu einer ausgeprägten postpartalen Depression sehr schleichend.
Die ersten Warnsignale werden häufig als normale Begleiterscheinung einer Entbindung abgetan und somit unterschätzt. Dabei ist gerade eine Behandlung der ersten Anzeichen wichtig, da sich die Erkrankung und die damit gestörte Beziehung zum Neugeborenen negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken kann.
Viele Ursachen sind möglich
Die Geburt und das „Mutterdasein“ sind gleichermaßen seelische und körperliche Extremsituationen, denen eine Frau ausgesetzt ist. Hormonelle Umstellungen, Schlafmangel, unerwartet auftretende Probleme, aber auch eine genetische Veranlagung können Auslöser der Depression sein.
Auch Erlebnisse vor der Geburt können eine postpartale Depression begünstigen. Frauen, die bereits unter einer psychischen Erkrankung leiden, oder die aus schwierigen familiären Verhältnissen stammen, können unter postpartalen Depressionen leiden. Geringes Selbstbewusstsein, zuvor erlebte Fehlgeburten oder Schwangerschaftsabbrüche sind weitere Gründe einer postpartalen Depression. Grundsätzlich lässt sich aber dennoch nicht konkretisieren, welche Frauen zwingend an einer Erkrankung leiden müssen.
Zu hohe Ansprüche an sich selbst
Frauen organisieren und planen ihre Rolle als Mutter bereits vor der Entbindung.
Die Einsicht, dass der Alltag mit Baby kaum nach Plan und mit vielen unvorhergesehenen Problemen verläuft, verunsichert viele Mütter und lässt sie an ihren Fähigkeiten zweifeln.
Bleiben die eigenen Ansprüche unerfüllt, fühlen sich viele Frauen in ihrer neuen Lebenssituation unglücklich. Sie fühlen sich vom sozialen Leben ausgeschlossen und intellektuell unterfordert. Auch will sich das unendliche Glücksgefühl des Mutterseins nicht einstellen, dafür aber das Gefühl von Trauer und Wut.
Die Unzufriedenheit in der Mutterrolle widerspricht den gesellschaftlichen Erwartungen und wird aus Angst vor Verurteilung durch das Umfeld schweigend hingenommen. Gleichzeitig empfinden viele Frauen Schuldgefühle und halten sich für undankbar, denn für ihre negativen Gefühle sehen sie zunächst keinen Grund. Dass sich auch Mutter und Kind erst einmal beschnuppern und aneinander gewöhnen müssen, wird dabei oft vergessen.
Eine postpartale Depression bedarf jedoch, anders als der Babyblues, einer fachgerechten Betreuung und Behandlung. Sie ist jedoch gut heilbar.
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